Gemeinde leben

Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Predigt zum Gründonnerstag / Karfreitag - zum nachlesen und nachdenken



Andacht zu Ostern 2021 von Pfarrer Arndt Klemp-Kindermann

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Frohe Ostern!


Christus ist auferstanden!


Er ist wahrhaftig auferstanden!


Liebe Gemeindeglieder,

das möchte ich Ihnen mit dem altkirchlichen Ostergruß zurufen:

Hoffnung auf Leben, das Gott uns schenkt und aus Liebe bewahrt.

Er will uns umhüllen mit der Hoffnung auf Leben.

Das schenkt die Kraft des Glaubens, durch sie möge Gott uns helfen, durch diese Pandemie hindurchzukommen, bewahrt und getrost.

Zur Nacht auf den Karfreitag hin haben wir an das Leiden Jesu gedacht:

Das Kreuz ist in der Verbindung mit der Osterbotschaft Gottes Zusage, uns auch im Schweren nicht zu verlassen, mitzugehen und trösten und stärken zu wollen.

Der Apostel Paulus dagegen will bei seinen Freunden in Korinth einen Gedanken provozieren: er sagte: „Ist die Auferstehung nichts, so ist unser Glaube nichts.“

Denn er war überzeugt, dass der Glaube sich an dieser Frage entscheidet:

„Woraus sonst könnte der Glaube an Jesus Christus kommen, wenn nicht aus der Kraft Gottes, die auch das Grab überwinden kann?“

Paulus will uns ermutigen, er will seine, unter schwierigen Umständen lebende, Gemeinde in Korinth bestärken, auf den Gott der Liebe, der in Jesus sichtbar wurde, zu vertrauen. Es gilt im Glauben nn der Kraft der Liebe festzuhalten, selbst wenn es manchmal so aussieht, als hätten alle anderen Recht, die über die Liebe lächeln.

Denn Gott ist keine Variable in einer von uns aufgestellten mathematischen Gleichung. Schauen wir uns heute die idealisierte Vorstellung vom Leben vieler Menschen an, sei es im Internet oder in der Werbung, oder im sogenannten Reality-TV, scheint um uns herum ein Weltbild vorzuherrschen oder besser propagiert zu werden, bei dem es gilt, alles aus eigener Kraft zu schaffen, unabhängig von anderen zu sein oder zu werden.

Manche Werbung, manche Geschäftsstrategie und gewisse politische Richtungen wollen uns das einreden. Dass die Konsequenz einer solchen Denkrichtung im Grunde die Einsamkeit des Ichs, ja die Angewiesenheit auf Leistung zur Selbstrettung bedeutet, macht man sich kaum klar, solange man gesund und fit ist.

Schaut man sich die Kritik an allem an, was aus dieser Weltanschauung resultiert – an allem, was mit Gott zu tun hat – muss man eine tiefsitzende Ablehnung des alten Wissens darum erkennen, dass wir unser Leben nicht uns selbst verdanken.

Dabei gilt in diesem, nur auf eigene Kraft bauendem Weltbild ein neues, heimliches Dogma: Es heißt Fitness, Schönheit, Wohlstand, Bildung, Zugehörigkeit zur richtigen Gruppe.

Oder kurz gesagt:

Du kannst das erreichen, wenn Du Dich nur richtig anstrengst, Dich optimierst! Dabei sind die meisten Faktoren unseres Glücks eigentlich ihrem Wesen nach unverfügbar, genau wie das Leben selbst:

Liebe kann man sich nicht schaffen. Leben bekommt man geschenkt.

Freunde sind nur wahre Freunde, wenn sie freiwillig mit uns in Beziehung stehen. Und man kann noch so gut leben: Gesundheit hat auch etwas mit unseren körperlichen Voraussetzungen zu tun, die wir schlicht nicht beeinflussen können.

Unsere Welt ist nicht ewig. Wir sind nicht ewig und was wir sind, sind wir aus Liebe. So ist auch Gott, der Christus nicht im Grab gelassen hat, Liebe.

Liebe, die das Leben ermöglichen will, wo wir kein Leben mehr erkennen können.

Einmal fragte mich ein gebildeter Mensch: „Sind sie so naiv und glauben noch an die Auferstehung?“

In dieser Frage steckt die ganze Kritik scheinbar alles durchdringender Klugheit. Wer so denkt, gesteht Jesus noch den Platz als klugen Lehrer für ethische Fragen zu, mehr aber bitte nicht.

Aber – um es mit Paulus zu sagen – noch einen Ethiklehrer brauchen wir nicht, wir brauchen Gott!

Sind wir also wirklich so arm geworden, so satt und trocken, dass wir selbst bei der Liebe lieber auf Algorithmen von Partnerschaftsvermittlern trauen und nicht auf den besonderen Augenblick, wenn besonderes geschieht oder sich unscheinbar anbahnt durch gelebtes Leben?

Eigentlich doch nicht – oder?

Ich gestehe zu, Gleich und Gleich gesellt sich gerne, aber wenn es um echte Liebe geht, dann bleibt sie bei aller biochemischen Erkenntnis doch auch ein Geheimnis. Genau wie der Sinn des Lebens, selbst wenn die Entstehung rein wissenschaftlich plausibel erklärt werden kann. Aber wozu?

Die Frage bleibt für uns alle eine persönliche. Hier beginnt der Glaube! Genau wie die Liebe, sich einlassen oder weitersuchen?

Auch das muss man tun, man kann das nicht wegerklären. Man kann die Auferstehung auch nicht wissenschaftlich erklären, genauso wenig den Sinn des eigenen Lebens. Sinn erschließt sich uns im Lebensvollzug, wenn wir im Erleben so etwas wie Wahrheit oder Authentizität spüren, wenn wir echt sein können.

Und genau das steckt auch im Glauben an Jesus Christus: das Versprechen, dass unser Leben auch im Leid und über den Tod hinaus mit Gott verbunden ist und damit echt, wahrhaftig, voller Liebe – sinnvoll – sein darf.

Dafür ging Jesus seinen Weg ans Kreuz und deshalb hat ihn Gott nicht im Tod gelassen, nicht als Beweis, sondern als Schlüssel für einen Weg durch Glauben zu einem erfüllten Leben.

Jesus selbst hat dazu eine ganz realitätsnahe Geschichte erzählt: das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Die Sehnsucht nach einem Vater, wie ihn Jesus in diesem Gleichnis schildert, bringt der Filmklassiker von 1955 „Jenseits von Eden“ mit James Dean als eine Mischung aus „Kain und Abel“ und „verlorener Sohn“ auf die Leinwand, verbunden mit all den menschlichen Problemen, die unser modernes Weltbild ohne Gott mit sich bringt:

Der Film schildert als großes Menschheitsepos den Kampf um Liebe und Anerkennung, Eifersucht und Scheitern und vor allem die menschliche Unfähigkeit, unser Geschick alleine zum Guten wenden zu können.

Und genau darum geht es an Ostern – deshalb schenkt sich uns Gott in Christus ganz und gar.

Sein Weg und seine Antwort ist vergebende und annehmende Liebe. Und das kann man auch in diesem Leben stärker als alles andere erleben, selbst stärker als den Tod.

Das glaube ich ganz fest. Auch die offene Pointe des Filmes setzt seine Hoffnung auf Liebe und Vergebung. Das ist wohl auch die einzige Chance, die uns bleibt… Aber hören wir, was Jesus selbst über die Auferstehung der Toten gesagt hat:

„Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.“ (Lk 15,24)


Der verlorene Sohn war für seinen Vater tot. Schlimmes hatte der Sohn seinem Vater abverlangt:

Zu Lebzeiten seinen Erbteil fordern, stellen sie sich das vor. Manch eine Familie würde dadurch Haus und Hof verlieren.

Der Sohn verlor sein Leben. Er zerstörte die Beziehung zu seinem Vater. Er verlor seine Heimat, strandete irgendwo in der Fremde und kam völlig herunter. Tot mitten im Leben.

Das beschreibt in anderen Bildern auch der Film „Jenseits von Eden“.

Für die Bibel ist der Tod eine reale Macht, mit der ist nicht zu spaßen. Und auch die Figuren im Film „Jenseits von Eden“ wirken wie eingesperrt in ihren Gefühlen und Vorstellungen von Stolz, Ehre und Sehnsucht.

Wer in die Fänge dieser Mächte gerät, geht oft hoffnungslos verloren. Was ist schon noch ein Leben wert, wenn man sich alles verscherzt hat, was unser Leben ausmacht?

Zum Leben gehört mehr als Geld und Gut. Der Sohn erkennt, was ihm fehlt.

Er sieht seine Schuld ein. Er geht zurück an die Quelle seines Lebens. Er hat kaum Hoffnung. Was hat er schon zu erwarten?

Aber: Wunder der Auferstehung! Sein Vater steht da, mit offenen Armen. Der Tod ist überwunden, durch Liebe. Im Film „Jenseits von Eden“ geht es anders aus.

Mehr so, wie wir es vielleicht selbst erleben: Sturheit blockiert die handelnden Personen, bis auf eine Frau, die aus Liebe zu vermitteln sucht, scheinbar scheitert sie. Der Vater ist schwer erkrankt, will seinen Sohn nicht sehen.

So weit kommen wir oft im Leben, nur weil wir meinen, den Gott des Lebens nicht zu brauchen, alles Wichtige selbst schaffen zu können, aber genau das ist nicht wahr. Der Sohn im Film wird schließlich von der Frau doch zum Vater geführt.

Und am Ende zeichnet sich ab, dass die versöhnende Hilfe der Liebe einer anderen Person retten kann: Der Sohn sieht seinen Vater schwach, der lässt die Nähe des Sohnes zu. Dann endet der Film mit der offenen Frage: Werden sie es schaffen?

Auferstehen bedeutet, vom Tod zurück ins Leben zu kommen.

Das ist weniger eine Glaubensfrage, als etwas, das man wirklich erleben kann, gleich einem Vorgeschmack auf das, was uns mit der Auferstehung Jesu Christi versprochen ist.

Jesus ist auferstanden, das ist Gottes Zeichen für uns: Wir werden leben mit ihm. Mit Jesu Auferstehung ist allen an den Tod Verlorenen der Weg ins Leben aufgetan.

Das ist der Sinn von Auferstehung: Gottes überwindendes Angebot der Liebe, die sogar den Tod überlebt:

Christus lebt, so auch wir mit ihm!


Daß Gott aus Liebe vergibt und versöhnt, ist wederberechenbar noch kann man es sich verdienen.

Doch durch Christi Auferstehung darf unser Glaube damit rechnen:


Gott verschenkt sich in Jesus Christus an uns, weil er das Leben, unser Leben liebt.



Christus lebt, so auch wir mit ihm! – Frohe Ostern!




Christus ist auferstanden!


Er ist wahrhaftig auferstanden!


Amen.


Ihr Pfarrer Arndt Klemp-Kindermann